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Aktualisiert am 18.06.10

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Rundbriefe >> Rückblick >> Oktober 2006



Graues Land

Wolken in dämmernder Röte
droh’n über dem einsamen Feld.
Wie ein Mann mit trauriger Flöte
geht der Herbst durch die Welt.

Du kannst seine Nähe nicht fassen,
nicht lauschen der Melodie.
Und doch: in dem fahlen Verblassen
der Felder fühlst du sie.

Stefan Zweig (1881 – 1942)





Hattingen, 24.10.2005

Liebe Mitglieder und Freunde der Kubischu!

Sind Sie eigentlich Nutzer des Internets? Kennen Sie die Seite der Kubischu? Dort finden Sie aktuelle Veranstaltungen, Rückblicke und kulturelle Hinweise. Jeden Monat neu gibt es auch einen Text des Monats. Im Oktober können Sie den Text der Gewinnerin des Jurypreises des 15. Hattinger Förderpreises für junge Literatur 2005 lesen. Oder genauer gesagt den Text einer der Gewinnerin-nen, denn in diesem Jahr hat ja die Jury zwei Preise vergeben.

Wer hat denn in diesem Jahr eigentlich gewonnen? Für wen hat sich das Publikum entschieden? Alles steht auf www.kubischu.de Aber auch diejenigen, die nicht über einen Internetanschluss ver-fügen, sollen das Ergebnis erfahren:

Jurypreis 2005: Anna Szczesny (22) aus Bremen

Manuela Hartung (17) aus Werdohl

Publikumspreis: Janna Steenfatt (23) aus Leipzig

Wir gratulieren an dieser Stelle noch einmal herzlich! Im Frühjahr 2006 werden Sie die Gelegenheit haben, die drei Gewinnerinnen in Hattingen mit neuen Texten zu hören.






Rückblick auf die 15. Hattinger Literatur-Tage

Die Literatur-Tage standen in diesem Jahr auch im Zeichen der Feiern zum 20jährigen Bestehen der Kubischu:

Pegasus pichelt – vielfältig haben wir auf unser Jubiläum angesto-ßen auf dem geflügelten Pferd, auf dem die Dichter reiten. Mit uns im Gleichklang geritten ist auch die VHS, vielen Dank. Einige Veranstaltungen waren hoffnungslos ausverkauft, bei anderen hätten wir uns mehr Publikum gewünscht.

Wir bedanken uns für ein herzliches Engagement bei unserer dies-jährigen Schirmfrau, Frau Christiane Nicolai, die alle Veranstal-tungen mit Begeisterung beleitet hat. Auch unsere Bürgermeiste-rin, Frau Dr. Dagmar Goch, ehrte die Kubischu und wünschte viel Erfolg für die Zukunft.





Eisenmann des polnischen Bildhauers
Zbigniew Fraczkiewicz

Geschenk an die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Hattingen zum 20jährigen Bestehen der Kubischu

Am 5. November 2005 um 13 Uhr vor dem Alten Rathaus

findet die Enthüllung des Eisenmannes statt. Wir laden alle Mit-glieder und Freunde der Kubischu sowie alle Bürgerinnen und Bürger der Stadt Hattingen zu diesem Ereignis ein.

Der Eisenmann, dessen drei große Brüder schon seit 1996 an der Stadtmauer stehen, findet seinen Platz direkt vor dem Alten Rat-haus auf dem Untermarkt. Mit der dort schon vorhandenen Waage und dem Eisenmann werden die zwei wichtigsten Epochen in der Stadtgeschichte von Hattingen nebeneinander symbolisiert: einer-seits das Mittelalter mit Stadtwerdung und Handelsblüte, anderer-seits 150 Jahre Schwerindustrie.

Der letzte Abstich am Hochofen auf der Henrichshütte im Jahre 1987 stellte einen entscheidenden Einschnitt in unserer Stadtge-schichte dar. Daran erinnert diese Figur, die nach einem sehr einfa-chen Verfahren, das an die Eisenhütte aus dem 19. Jahrhundert erinnert, in einer Gießerei des polnischen Chocianow entstand. Die Farbe des rostenden Eisens wird sich mit der Zeit verändern und einen besonderen sinnlichen Reiz ausüben.

Zugleich ist diese in die stilisierte, enge, uniformierte Form ge-presste Figur ein Symbol für den Menschen im 20. Jahrhundert, der in seiner Freiheit und Individualität durch die Zwänge des industriellen Arbeitsprozesses sowie von den verschiedensten Ideologien, wie Nationalsozialismus, Kommunismus oder Kapita-lismus, eingeengt wird.

Wir laden Sie herzlich ein zur Einweihung des Denkmals.




Neues vom „Sagenkönig von Hattingen“ (WDR-TV)
Ruhrsagen von Dirk Sondermann


Die schönsten Sagen von der Mündung der Ruhr in Duisburg-Ruhrort bis zur Ruhrquelle in Winterberg-Ruhrkopf sind in ei-nem neuen Buch zusammengestellt worden.

Dieses Werk wendet sich sowohl an die Bewohner der 235 Ki-lometer langen „Ruhrschiene“ vor Ort als auch an Ortsfremde und Touristen, da erstmals in einem Sagenbuch überlokalen Inhalts fast alle sagen-haften Stätten detailliert mit Angabe des Ortes, der Straße und darüber hinaus mit GPS-Daten versehen werden. Wo möglich werden die geschichtlichen Hintergründe der Überlieferungen kurz skizziert. Ein Ortsregister und genaue Quellenangaben gestalten dieses Buch benutzerfreundlich.

13 Sagen aus Hattingen sind in den „Ruhrsagen“ aufgenommen worden, zum Beispiel Überlieferungen von der St. Georgskirche, dem Horkenstein, der Isenburg, Burg Blankenstein, dem Rauen-dahl etc. (s. Seiten 90-123).


Das gebundene „Ruhrsagenbuch“ hat 355 Seiten und ist mit zahlreichen alten Stichen versehen. Es ist im Verlag Hense-lowsky/ Boschmann (Bottrop) erschienen und für 17 Euro in jeder Buchhandlung erhältlich.









Lesung SAGEN-HAFTES HATTINGEN

Anlässlich der Herausgabe seines neuen Werkes „Ruhrsagen“ wiederholt KUBISCHU-Mitglied Dirk Sondermann seine im Vorjahr restlos ausverkaufte

Lesung mit Live-Musik, Gesang und Gedicht

Der Autor trägt die geheimnisvollsten und spannendsten Hattin-ger Sagen vor.

Sondermann entführt seine Zuhörer in die Zauberwelt der Sagen von Burg Blankenstein, des Horkensteins, der Ruhr, des Rauen-dahls, der Isenburg und weiterer Spukstätten.

Wenn Bernd Schmidt, der „moderne Barde“ Sagen-Lieder zur Gitarre vorträgt, stößt er das Tor in eine ferne und doch so nahe Vergangenheit auf, um den Geist sagen-hafter Zeiten wirken zu lassen.

Lassen sie sich verzaubern vom geheimnisvollen Reich der Burggeister, Zwergenkönige, Werwölfe und Raubritter!


Freitag, 2. Dezember 2005, 20.00 Uhr
Café im Stadtmuseum Hattingen-Blankenstein
Eintritt: 5 Euro / ermäßigt 3 Euro
Vorbestellungen: 983126


Auch das noch:

Dirk Sondermann im Radio EN, www.antennewitten.de/ Kulturblick am 28.10.05, 19.04 Uhr - 20.00 Uhr; im Internet: Such-begriff: www.WDR.de + Dirk Sondermann



Meier Andorn – ein Bürger unserer Stadt

Kubischu will mit Stolperstein an Naziopfer erinnern

Meier Andorn wurde am 28.9.1872 als Sohn einer sehr angesehe-nen, jüdischen Familie in Gemünden geboren. Schon als Kind machte er seinem Namen Meier, der sich vom hebräischen Wort „mejir“ ableitet, was soviel wie glänzend, erleuchtet bedeutet, alle Ehre. Er galt als wahrheitsliebend, mutig, begabt und lernte mit großem Eifer. Kein Wunder, dass er den Beruf des Lehrers ergriff.

Nach einer kurzen Tätigkeit in Brilon bezog er mit seiner ersten Frau Bella 1894 die Lehrerwohnung der jüdischen Volkschule an der Bahnhofstraße 8a in Hattingen. Schnell wurden die Andorns mit ihren drei Söhnen Hans, Berthold (Baruch) und Ludwig (Jehu-da) auch in Hattingen zu geachteten Bürgern, zu deren Freundes-kreis auch zahlreiche nichtjüdische Menschen zählten. Nach Aus-bruch des Ersten Weltkrieges leisteten die Andorns ehrenamtliche, humanitäre Hilfe.

Meier Andorn war bis 1934 hauptsächlich als Lehrer und neben-amtlicher Kultusbeamter tätig. Er war Mitglied der liberalen DDP (Deutsche Demokratische Partei), die sich für die Religions- und Gewissensfreiheit, für die Gleichberechtigung der Frau und für den Frieden einsetzte. Er unterstützte mit seiner ehrenamtlichen Tätig-keit verschiedene gemeinnützige Vereine und förderte die Hattin-ger Kultur und die allgemeine Volksbildung.

Das Jahr 1926 traf ihn gleich doppelt hart. Seine Frau Bella starb nach kurzer, schwerer Krankheit und die jüdische Schule wurde aus Mangel an Schülern geschlossen. Zu seinem Glück fand er eine neue Anstellung als Konrektor der israelischen Volksschule in Dortmund. 1930 heiratete er seine zweite Frau Anna, mit der er als Rentner nach Essen in die Nähe des Grugaparks umzog. Wäre die politische Lage in Deutschland eine andere gewesen, hätte man Meier und Anna Andorn beneiden können, Essen als Alterssitz gewählt zu haben.

Doch anders als Meier, der Zeit seines Lebens Andersgläubigen gegenüber immer freundlich und tolerant war, machte die NSDAP unbarmherzig Jagd auf Menschen, deren einziges Verbrechen darin bestand, Jude zu sein. Am 21.7.1942 wurden die Andorns nach Theresienstadt deportiert, wo Meier Andorn am 21.10.1943 an den Folgen der unmenschlichen Lagerhaft verstarb.

(Textbearbeitung von Ellen Grunwald)

Die Kubischu möchte das Andenken an diesen ehrenhaften Mann aufrecht erhalten und stiftet der Stadt Hattingen und ihren Bürge-rinnen und Bürgern daher einen „Stolperstein“, der voraussichtlich auf dem Gehweg der Bahnhofstraße 8a seinen Platz finden wird. Der Termin zum Verlegen des Steins ist der 13. Dezember 2005.

Weitere Informationen unter www.stolpersteine.com




Lesetipp 1

Haruki Murakami sei derzeit einer ihrer Lieblingsautoren, erzählte die diesjährige Förderpreisträgerin Anna Szczesny jüngst auf der Lesung. Auf Anhieb war sie mir sympathisch, denn der 1949 in Kioto geborene Erzähler steht auch auf meiner Favoritenliste zurzeit ganz oben.

Als sein „opus magnum“ gilt der Roman „Mister Aufziehvogel“ von 1994, sicherlich nicht zuletzt aufgrund seines Umfangs von gut 750 Seiten. 750 gleichermaßen spannend und einfühlsam geschriebene Seiten, die trübe Novemberabende garantiert retten können.

Wer den Roman mit herkömmlichen Begriffen beschreiben will, stößt schnell an seine Grenzen. Sicherlich, es handelt sich um eine Liebesgeschichte, einen Entwicklungsroman, einen Großstadtro-man sicherlich auch und letztlich sogar um eine sorgfältig kompo-nierte Enthüllungsgeschichte. Doch wie in allen Roman von Ha-ruki Murakami ist es die Mischung von Realistischem und Irrea-lem, die den besonderen Reiz des Textes ausmacht. Letzteres bricht ebenso plötzlich in den Tokioter Alltag der Hauptfigur Toru Okada ein, wie es auch wieder verschwindet. Und es hinterlässt Spuren, unausweichliche Spuren.

Für mich ist dieser Roman einer der faszinierendsten, die ich in den letzten Jahren gelesen habe: Denn Haruki Murakami be-herrscht das Erzählhandwerk wie die Alten und ist trotzdem voll-kommen modern. Seine Figuren sind von heute, sie fahren Stra-ßenbahn, haben Eheprobleme und kochen schon auf der ersten Seite Spagetti. Schicksalhafte Kräfte scheinen sie zu vom Autor kunstvoll arrangierten Begegnungen zu treiben. Das, was sie dort erleben, ist unglaublich, doch vollkommen glaubwürdig. Von Selbstbestimmung keine Spur: Aufziehvögel eben.

Schade, dass im Deutschen nur eine Übersetzung aus dem Engli-schen vorliegt. Sicherlich hätte eine Übersetzung direkt aus dem Japanischen dem Text besser getan. Sei’s drum: Ich weiß nicht, ob Elke Heidenreich dieses Buch in ihrer Sendung schon vorgestellt hat. Trotzdem: LESEN! Denn nur dann erfahrt ihr auch, was ei-gentlich passiert zwischen den Buchdeckeln…

Haruki Murakami, Mister Aufziehvogel, ISBN 3-442-72668-9, btb Taschenbuch, 12,50 EUR. Anja Schriever




Lesetipp 2

Im grauen Barcelona der Franco-Ära wird der junge Daniel von seinem Vater mit zum „Friedhof der vergessenen Bücher“ genom-men und er taucht ein in eine mitreißende Atmosphäre… So be-ginnt der Roman von Carlos Ruiz Zafón. Spannend, fesselnd, pa-ckend und kunstvoll geschrieben – ein Liebesroman, ein Krimi, ein Zeitpanorama, eine großartige Geschichte.

Doch wem erzähle ich das? Nach dem Erscheinen im Sommer 2003 stürmte der Roman schnell die Bestsellerlisten. Wer ihn aber immer noch nicht gelesen hat: Jetzt ist die Taschenbuchausgabe erhältlich – und gleich wieder auf Nr. 1 der meistverkauften Ta-schenbücher gelandet.

Carlos Ruiz Zafón, Der Schatten des Windes, Suhrkamp Taschen-buch, 9,90 EUR.

Viele Grüße von der Kubischu