Über die Liebe und die Schwierigkeiten erwachsen zu werden
|
|
„Sie überlegte, wie es sich anfühlte, zu lieben. Glück im Neonlicht, Lachen auf Glanzpapier amerikanische Liebe jede Nacht. Konnte sich ihr Gesicht im Spiegel nicht in den Händen eines anderen vorstellen. Vielleicht war Liebe auch nur das Gefühl, sich zu spiegeln. Oder eben das Gegenteil von sich zu finden, die Ergänzung. Und das festhalten zu wollen. Und loslassen zu müssen.“
So beginnt eine Erzählung mit dem Titel „Zungenkrieg“, die die 17jährige Susanne Heinrich aus Liepzig geschrieben hat. Ihre ebenso junge Heldin ihres Textes liest gerne Liebesgeschichten, davon kann sie nie genug bekommen. Sie hätte sich gerne in einer Bar lachend einen Gin bestellt, schafft es aber dann doch nicht. Und sie küßt zum ersten Mal auf dem stinkenden Schulklo, einen Jungen, dessen Zunge nach Salami Pizza schmeckt.
Susanne Heinrich hat im vergangenen Herbst den Hattinger Förderpreis für junge Literatur gewonnen. Ihre Geschichte von den Schwierigkeiten, die Liebe und die Welt der Erwachsenen kennenzulernen, fand beim Publikum der Preislesung im Alten Rathaus den größten Anklang. Jetzt lädt die KUBISCHU, die den Hattinger Förderpreis zum 12ten Mal vergeben hat, die junge Leipzigerin nach Hattingen ein, damit sie noch einmal einem Publikum ihre Texte vorstellen kann.
Ebenfalls aus Leipzig kommt Marie Martin, 23 Jahre alt, die zum Studium von Freiburg nach Sachsen gezogen ist. Sie hatte im September vor allem die Jury überzeugt. Ihre Erzählung befasst sich mit dem gleichen Thema wie der Text von Susanne Heinrich und trägt den Titel „Liebe in Zeiten der Adoleszens“. Auch hier geht es um ein junges Mädchen, das auf der Suche nach sich selbst und seiner Rolle in der Gesellschaft ist.
Textprobe:
Sie waren ironisch, ich glaubte alles.
Ich las, sie sahen fern. Ihnen wuchsen Brüste, mir Worte.
Sie sammelten Kondome, ich Traumkugeln.
Eigentlich liebte ich noch immer meine PirateninseI von Playmobil mit Schatzhöhle und meine schwarze Lego-Ritterburg.
Sie machten Petting und ich hatte einen Freund, der morgens vor der Schule auf mich wartete.
Sie schminkten sich zähnebleckend im Unterricht. Sie wurden nicht rot in Sexualkunde.
Sie trällerten kreischend Webetexte in der Umkleidekabine, wo sie sich nicht schämten.
Sie machten mir Angst.
Sie saßen weinend auf der Heizung und wurden von Freundinnen umringt, die alle
Bescheid wussten. Ich traute mich nicht, eine Bravo zu lesen.
Nun haben die beiden jungen Autorinnen Gelegenheit, diese preisgekrönten und dazu neue Texte noch einmal in Hattingen vorzutragen. Die KUBISCHU lädt ein ins Kleine Cafe, Johannisstraße, Sonntag 16.3. ab 18 Uhr. Eintritt 3 €, ermäßigt 2€.

|
|